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Bakkushan

„Vorhang auf: Und es beginnt/ein neuer Tag/ein neuer Lauf.“

Das kündigen Bakkushan auf ihrer neuen Platte „Kopf im Sturm“ an. Und dabei ist schon verdammt viel gelaufen, seit ihrem Debüt 2010, das schlicht den Bandnamen trägt: Die Verkaufszahlen klettern weit in fünfstellige Höhen, die Konzertermine zusammengerechnet summieren sich locker auf ein ganzes Jahr, höchstpersönlich haben sie 100.000 Band-Sticker im ganzen Land verklebt, die Single „Baby, du siehst gut aus“ erklingt im Soundtrack zum Film „Vorstadtkrokodile 2“ und last not least vertrat das inzwischen in Berlin ansässige Quartett das Bundesland Baden-Württemberg in der 2010er Ausgabe des Bundesvision Song Contest. Fünf Jahre sind so seit der Bandgründung in Hochgeschwindigkeit vorbei geflogen.


Für die Sache brennen, die noch etwas zählt

Wer so verdammt hart arbeitet und solche Erfolge einfährt, der darf sich schon mal auf dem Lorbeer-Bett ausruhen. „Das dürfen andere getrost machen“, lacht Liedschreiber Daniel Schmidt, „für uns ist das nichts und da halten wir es lieber mit der Textzeile ‚Für die Sache brennen, die noch etwas zählt’ aus unserem Stück ‚Das ist für euch’. Wir lieben das, was wir tun, Musikmachen. Und so leben und arbeiten wir getreu dem guten alten Fehlfarben-Motto, ‚Es geht voran.’“ Der Name der Band ist übrigens ein japanischer Slangausdruck. „Wir haben bei der Suche nach einem Namen mit Worten gespielt, die in Deutsch nur als ganzer Satz übersetzbar sind“, erklärt Bassist Christian Kalle, „und an dem Wort Bakkushan kamen wir einfach nicht vorbei, bezeichnet es doch sinngemäß ‚eine Person, die von hinten besser aussieht als von vorne.’“ Gefunden hat sich das Quartett während ihres Musikstudiums in Mannheim. Dort ziehen Sänger und Gitarrist Daniel Schmidt, Bassist Christian Kalle, Gitarrist Robert Kerner und Schlagzeuger Jan Siekmann ihre kreativen Kreise, die sich erst immer häufiger überschneiden und am Ende zu einem künstlerischen Gleichklang vereinen.


Nicht nur Böse Mädchen geben Vollgas

So entstehen raffinierte, raue, rockige Klangwelten mit einer unwiderstehlichen Sogwirkung. Dabei entwickeln Bakkushan einen ganz eigenen Sinn für die Dramaturgie der großen Emotion. In einem Stück behaupten Bakkushan „Böse Mädchen geben Vollgas“, das kann die Truppe selber mindestens genau so gut. Dazu gehören ein massives, druckvolles Spiel, opulente Eindringlichkeit. Immer jedoch stehen Leichtigkeit und Melodie ganz oben auf dem Zettel. Bakkushan changieren da irgendwo zwischen Biffy Clyro, Foo Fighters und Bosse.
Hat da jemand Stadionrock gesagt? Gekauft! Und damit bei den bösen Mädchen auch keine Unklarheiten aufkommen, singen Bakkushan konsequent in Deutsch. „Früher habe ich nur auf Englisch geschrieben“, blickt Daniel Schmidt zurück, „aber ich bin ja kein Native-Speaker und will nicht dass man sofort hört, it’s a German Guy. Als mich dann jemand fragte ‚willste nicht mal in Deutsch singen?’, habe ich das abgeschmettert und geantwortet, ‚um Gotteswillen nein, was soll ich denn da singen?’, um anschließend loszurennen, um mit deutscher Sprache zu experimentieren.“ Die Texte, die heute auf den grandios stürmischen Rockrhythmen surfen, formulieren die Fragen, die eine ganze Generation gerne laut stellen würde. Deshalb setzen sich die Klänge von Bakkushan nicht nur den Gehörgängen fest, sie erreichen auch die Herzen und leuchten in die tiefsten Winkel der Seelen.


Franz X.A, Zipperer